Logo LVR - Qualität für Menschen | LVR-Klinikverbund

  Medienabhängigkeit

    Ein Angebot der LVR-Klinik Bonn

Abteilung für Abhängigkeitserkrankungen und Psychotherapie

Sie befinden sich hier: Startseite / Medienabhängigkeit

Medienabhängigkeit

„Medienabhängigkeit“ – Versinken unsere Jugendliche im Cyberspace/Internet?

Man liest und hört zurzeit sehr viel über „Medienabhängigkeit“. Berichte von Jugendlichen, die Tage oder Wochen durchspielen und sich dabei sämtliche Zukunftschancen verspielen, geistern durch die Medien. Doch was ist davon zu halten?

Im Gegensatz zur Glücksspielsucht sind Internet- und Computerspielabhängigkeit bislang noch nicht offiziell als psychische Erkrankungen anerkannt. Dies hängt u.a. damit zusammen, dass einige Wissenschaftler davon ausgehen, Medienabhängigkeit sei keine eigenständige Störung, sondern ein Symptom oder eine Begleiterscheinungen anderer, bereits bestehender psychischer Erkrankungen (wie z.B. einer Depression). Offizielle Diagnosekriterien stehen daher noch nicht zur Verfügung.

 

In Anlehnung an die Diagnosekriterien der substanzgebundenen Abhängigkeit, scheinen folgende Aspekte für die Mediensucht bedeutsam zu sein:

  • unkontrollierter stundenlanger Internetgebrauch
  • stetige Erhöhung der Spielzeit
  • Vernachlässigung beruflicher bzw. schulischer Verpflichtungen und sozialer
  • Kontakte
  • ständige gedankliche Beschäftigung mit den Onlineaktivitäten
  • das Online-Spielen z.B. wird zunehmend zur Gefühlsveränderung/ -regulation eingesetzt
  • die Onlineaktivität wird immer weniger als angenehm und immer mehr als belastend erlebt
  • vergebliche Reduzierungsversuche
  • „Entzugserscheinungen“ bei „Internetabstinenz“ (Unruhe, Gereiztheit, Konzentrationsschwäche)
  • Verheimlichung und Bagatellisierung des Problemverhaltens und von Folgeproblemen

Das Phänomen Medienabhängigkeit beinhaltet unserer Erfahrung nach ein riesiges Spektrum und nicht zwangsläufig ist eine Behandlungsbedürftigkeit gegeben, wenn ein junger Mensch phasenweise exzessiv spielt oder sich anderweitig mit Medien beschäftigt. Das Zeitkriterium reicht nicht aus, um eine Diagnose Medienabhängigkeit zu stellen. Die diagnostische Einschätzung sollte dabei Fachleuten überlassen bleiben. Eine Behandlungsbedürftigkeit sehen wir dort, wo der Medienumgang die Bewältigung von inneren und äußeren Entwicklungsaufgaben behindert, einen Stillstand bewirkt und schließlich selbst Folgeprobleme auslöst.

Der Selbst-Test auf unserer Website bietet die Möglichkeit, das eigene Mediennutzungsverhalten zu überprüfen. Bei Anzeichen problematischer Nutzung ist die Kontaktaufnahme mit einer Beratungsstelle oder therapeutischen Einrichtung zu empfehlen.


Literatur

Grüsser, S.M./Thalemann, R. (2006): Computerspielsüchtig? Rat und Hilfe. Bern, Göttingen, Toronto, Seattle 2006.